Von der positiven, heilwirksamen Wirkung des Hundes auf den Menschen
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Michaela Holz
Diplom-Pädagogin, Hundetherapeutin und Tierpädagogin
Sie ist 33 Jahre alt und arbeitet in Kiel als Hundetrainerin, Hundetherapeutin und Autorin.
„Nein, nun ist Schluss!“ Sie sieht mich direkt an, starrt mir fest in die Augen.
„Nein, meine Süße, es ist Schluss! Genug gespielt!“
Ihre riesengroßen, schwarzen Knopfaugen blicken mich direkt an, fragend und fordernd!
Dann senkt sie ihren Kopf zur Seite, leicht nach links, als würde sie nicht verstehen (oder nicht verstehen wollen?!)… „Süße, Schluss!“ versuche ich ihr klar zu machen.
Sie blickt mich an, starrt mir in die Augen und merkt genau - ich werde schwach!
Dann bellt sie. Ein helles, lautes, aufforderndes Bellen.
Und ich muss lachen!
Es gibt – seitdem ich - mit Hunden zusammen war, keinen einzigen Tag, an dem sie mich nicht zum Lachen gebracht haben! Jeden Tag muss ich mit oder über sie (vielleicht auch mehr über mich selbst) lachen!
Die äußerst heilsame und positive Wirkung von Hunden auf uns Menschen ist vielen nicht bewusst. Glücklicherweise gibt es mittlerweile viele wissenschaftliche Untersuchungen und Erkenntnisse zu diesem Thema.
Ich möchte in diesem Artikel ein paar wichtige, beeindruckende Erkenntnisse der Wissenschaft aufzeigen, wie positiv und heilsam Hunde auf uns Menschen wirken.
Hunde bringen Freude
Hunde bringen Freude
Hunde haben einen sehr hohen Aufforderungscharakter.
Die Bandbreite dieser Aufforderungen reichen vom permanenten Anstarren, über das Zu-Füßen-Liegen des Spielzeugs bis hin zum lauten, hellen Bellen.
Genau auf diese Weise regen Hunde uns zum Spielen und Lachen an!
Wichtig ist zu wissen, dass auf diese Weise endogene Opiate freigesetzt werden. Das sind Endorphine, die uns Menschen dazu veranlassen das Leben leichter, weniger verbissen und entspannter zu betrachten.
Glückshormone halt!
Durch das Spiel, das Betrachten und die Kommunikation mit unseren Hunden werden genau diese Glückshormone feigesetzt!
Der Hund bringt uns zum Lachen!
Hunde kommunizieren ehrlich
Hunde kommunizieren ehrlich
Der Hund stellt für viele Menschen einen echten Gesprächspartner dar.
Hunde sind sehr sensible Lebewesen, die die Stimmungslage Ihres Partners oder ihrer Bezugsperson sofort einordnen können!
Die ethologische und wissenschaftliche Erklärung dafür ist eigentlich ganz einfach:
Ein Hund achtet auf den Ton der Stimme, auf Körpersignale und auf Körpergerüche.
Er ist als Rudeltier sehr gut in der Lage, die menschliche Körpersprache und - vor allem - deren unbewussten Signale zu interpretieren!
Hunde selbst kommunizieren sowohl über die Körpersprache als auch über Laute mit dem Menschen. Hierbei werden Gemütszustand, soziales Miteinander, Wünsche und Sehnsüchte kommuniziert.
So veranlassen Hunde uns zur nonverbalen – nicht –sprachlichen Kommunikation.
Und das wichtige dabei:
Sie lügen nicht!
Bei einer Umfrage der Psychologin Hanna RHEINZ berichten Tierhalter übereinstimmend:
„Mit ihrem Hund haben sie die längst verloren geglaubte Sprache der Kindheit wieder gefunden; ein Verstehen ohne Worte.
Ein Verstehen der leichten Berührungen, Blicke, fern jener oft falschen, wenig hilfreichen Dramatik der Sprache, die oft gefühlsleer bleibt!"
Hunde hingegen benutzen die so genannte „analoge“ Sprache:
Diese Sprache wird benutzt, um Bezogenheit auszudrücken.
Damit verlangen Hunde eine echte, stimmige Ehrlichkeit von ihrer Bezugsperson.
In dieser Form der Kommunikation haben Vielschichtigkeiten, unausgesprochene Vorwürfe, Verstellungen, Lügen oder Spott keinen Platz!
Und genau auf diese Weise schult der Hundebegleiter sich in echter Kommunikation mit den Mitmenschen.
Hunde sind vorbehaltlos
Hunde sind vorbehaltlos
Hunde erwarten kein „gutes Benehmen“! Sie sind Natur und erlauben dem Menschen auch natürlich zu sein.
Da Hunde keine ihrer natürlichen Funktionen verbergen, fühlt sich der Mensch in ihrer Umgebung ähnlich frei.
Die Beziehung zu Hunden läuft einfacher, unbehaltloser ab, als die zu Menschen! Werte, wie Aussehen, Geld o.ä. spielen keine Rolle. Der Mensch findet im Hund eine vorbehaltlose Zuneigung!
Wer Hunde an sich bindet, wird mit einer Gefühlsintensität und Stabilität der Beziehung belohnt, die in der Welt der Erwachsenen kaum mehr anzutreffen ist!
Der Psychologe Aaron KATCHER sieht im Hund eine „Ikone der Konstanz“. Das heißt: der Hund verkörpert unwandelbare Loyalität! Besonders in Krisensituationen wird der Mensch durch seinen Hund gestützt, indem er ihm unmissverständlich vermittelt, wichtig und unersetzbar zu sein! Der menschliche Partner weiß, ich werde gebraucht!
Die Psychologin Hanna RHEINZ führt dazu weiter aus:
„Der Hund bleibt ein Gefühlanker in einer Welt der Unberechenbarkeiten, der Trennungen …. Daher wird der Hund als Bindungsfigur für den Menschen immer wichtiger in einer Gesellschaft, die auf allen Ebenen, beruflich ebenso wie persönlich, das Ausrangieren und Auswechseln so erfolgreich praktiziert“ .
Meines Erachtens nach ist die Unterstützung eines Hundes jedenfalls beständiger, als die eines Menschen.
Ein Hund hat keine Angst, durch überzogene Forderungen oder Offenbarungen von Schwäche und Emotionen seine Beziehung zu gefährden!
Hunde suchen stetig die Nähe ihres Menschen.
Der Hund bleibt dem Menschen zugetan – selbst wenn der Mensch ihn längst aufgegeben hat!
Sie verkörpern absolute Loyalität!
„Der Hund lindert die Erfahrungen des Verlassens-Seins. Er macht keinen Unterschied zwischen der emotionalen Bedürftigkeit des Kindes und dem nicht minder starkem Bedürfnis des Erwachsenen. Das Tier scheut Nähe nicht. Im Gegenteil: es stellt sich ihr und akzeptiert den Preis der Bindung, der für Menschen oft unerträglich ist. Der Hund wartet darauf, beachtet zu werden. Er verlangt geliebt zu werden und antwortet furchtlos mit seiner Anhänglichkeit und Zuwendung. Er gibt sich ohne Vorbehalte und berechnet Geben und Nehmen nicht.“
(Hanna RHEINZ, Psychologin, 1995)
Hunde fördern die sozialen Kontakte
Hunde fördern die sozialen Kontakte
Hunde können in sozialer Hinsicht deutlich positive Effekte erzielen.
So tragen sie in Familien z.B. dazu bei, den Zusammenhalt zu intensivieren, da sie u.a. Gesprächs- und Interaktionsstoff bieten.
Auch Hundebesitzer untereinander haben ein gemeinsames Thema, dass sie schnell dazu veranlasst, miteinander zu reden.
Auf diesem Wege – dem Umwege über den Hund- wurden nachweislich vielerlei Freundschaften, Paarbildungen und sogar Ehen geschlossen, die im weiteren Verlauf das Thema Hund überwogen.
Der Psychologe Peter MESSENT beobachtete Spazier-gänger mit und ohne Hunde-Begleitung. Er wählte in beiden Testsituationen dieselben Probanden. Und eben diese Menschen wurden ohne Hund weder beachtet noch angesprochen. Gingen dieselben Probanden allerdings einen Zeitraum später in Begleitung eines Hundes durch den Park, erfolgten sehr häufig Lächel-reaktionen, freundliches Grüßen und teilweise wurde sogar ein Gespräch seitens der anderen Spaziergänger angeknüpft. Eröffnet wurden die Gespräche immer so, dass zuerst der Hund angesprochen wurde.
Sylvia GREIFFENHAGEN bemerkt in ihrem lesenswerten Buch: "Tiere als Therapie“ dazu:
„Dem entspricht, dass in vielen Umfragen Hundehalter aussagen, das Tier eröffne die Chance mit anderen Menschen zu sprechen, oder gar: der Hund schaffe Freunde für sie...!“
In den Augen des Hundes ist der Halter Rudelführer. Auf diese Weise wird ein gesteigertes Selbstwertgefühl seitens des Menschen hervorgerufen. Ein gesundes Selbstwertgefühl strahlt nach außen und erzeugt Charisma. Diese Menschen wirken strahlender und positiver auf die Mitmenschen!
Ausblick
Ausblick
Insgesamt gesehen sollten wir uns fragen, ob Berichte über “Kampfhundattacken“, unsozialisierte Hunde und den „bösen Wolf“, uns wirklich beeinflussen sollten.
Das Lebewesen HUND hat uns in den letzten Tausend Jahren - zunehmend – so viel Positives eingebracht, dass es derartige Diskussionen nicht mehr benötigt!!
Es ist an der Zeit, nicht nur geradeaus zu blicken, sondern auch mal einen Blick nach links oder rechts zu riskieren ...in eine Welt voll Zuneigung, Loyalität, Authentizität und Geborgenheit!
Warum sollen wir uns diesem Grundgefühl, diesem Urbedürfnis nicht hingeben?
Wir lieben Hunde,…nicht nur – aber auch - weil sie uns zeigen, wer wir selber sind!!


