Das Kieler Hundesymposium 2007
(22.04.07, Bernd Mittag)
Am Samstag, den 21.04.07, fand im Bürgerhaus Kronshagen abends das Kieler Hundesymposium der HundeLobby-Kiel e.V. statt. Etwa 175 Zuschauer kamen, um die Gesprächsrunde von Wissenschaftlern, Politikern und Verbandsvertretern auf dem Podium zu verfolgen. An der angeregten Diskussion waren beteiligt: Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Dozentin an der Universität Kiel, Dr. Iris Mackensen-Friedrichs, Dozentin bei Canis, Bad Bramstedt, Monika Fiebig, Tierärztin mit Zusatz Verhaltenstherapie und -kunde, Dr. Heiner Garg, MdL, stellv. Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, Klaus-Peter Puls, MdL, innen- /rechtspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Peter Teichmann, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein und Fritz Breyer, Jugendobmann beim Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Moderiert wurde die Veranstaltung von Volker Darnstedt und Bernd Mittag, Vorstände der HundeLobby-Kiel.
Einen ersten Themenschwerpunkt bildete das Gefahrhundegesetz, das seit 2005 in Schleswig-Holstein in Kraft ist. Herr Puls meinte, dieses Gesetz sei nötig geworden nach den Beißvorfällen im Jahre 2000. Es richte sich nicht gegen Hunde, sondern gegen Hundehalter. Er räumte ein, dass das Gesetz in einigen Punkten überregulierend sei und darüber ließe sich sprechen. Insgesamt aber sei daran festzuhalten. Frau Feddersen-Petersen kritisierte, dass das Gefahrhundegesetz nicht greife, sondern Vorurteilen Vorschub leiste und eher dazu geeignet sei, Ängste in der Bevölkerung auszulösen. Insbesondere werde darin auch auf Hunderassen verwiesen, die an sich schon als gefährlich gelten. Dies sei aber nach übereinstimmender Meinung aller Wissenschaftler nicht richtig, zudem existierten die dort genannten Rassen überhaupt nicht. Dr. Garg gab zu bedenken, dass wegen einer geringen Minderheit innerhalb der Hundehalter ein riesiges Gesetzeswerk geschaffen wurde, dass bei Nachbarschaftsstreitigkeiten durch Behauptungen mißbraucht und denunzierend eingesetzt werden könne. Frau Fiebig wies darauf hin, dass es nach dem derzeitigen Recht sehr schnell gehen könne, plötzlich einen "gefährlichen" Hund im Haus zu haben, da die Ordnungsämter auch ohne Prüfung durch einen Wesenstest die Gefährlichkeit erklären können. Sie regte an, dass ein Hund in jedem Falle erst einem anerkannten Gutachter für Wesenstests vorgestellt werde müsse, der über die entsprechende Fachausbildung verfüge, um darüber entscheiden zu können. Dr. Garg kündigte an, dass die FDP das Thema im Landtag wieder aufgreifen wolle.
Die Aussagekraft von sogenannten "Beißstatistiken" wurde von Frau Feddersen-Petersen und Dr. Garg in Zweifel gezogen, da die Methodik der Erhebung wissenschaftlich nicht haltbar sei. Nach der neuesten Beißstatistik aus Schleswig-Holstein soll zum Beispiel der Jack Russel Terrier eine Gefährlichkeit besitzen, die den Durchschnitt der Rassehunde um das 42fache übersteigt.
Für mehr Aufklärung über Hunde bei Kindern und Erwachsenen plädierte Herr Teichmann.
Er berichtete, dass Kinder zum Teil den Umgang mit Tieren gar nicht kennen. Herr Breyer
verwies auf Aktionen des VDH, die durch Besuch in Schulen oder Kindergärten sowie durch Seminare Abhilfe schaffen wollen. Es sei aber noch genügend in dieser Richtung zu tun.
Beim Thema Zucht sprach Herr Breyer die Notwendigkeit für ein Heimtierzuchtgesetz an, mit dem das "wilde" Züchten von Hunderassen unterbunden werden soll.
Frau Dr. Mackensen-Friedrichs betonte die Notwendigkeit von Schulungen. Dabei sei es besonders wichtig, dass nicht nur die Theorie gelernt wird, sondern dass Hundehalter gemeinsam mit ihren Hunden trainiert werden.
In der zweiten Hälfte der Veranstaltung wurden viele Fragen aus dem Publikum beantwortet, das damit regen Anteil an der Diskussion nahm. Insbesondere auch die Frage nach geeigneten Hundeauslaufflächen kam dabei zur Sprache. Der viel zu kleine Hundestrand in Falkenstein wurde dabei kritisiert, der an vollen Wochenenden mit Besuchern aus anderen Städten keine ausreichende Auslauffläche biete.
Gegen Ende machte Frau Dr. Feddersen-Petersen Verbesserungsvorschläge für den Wesenstest.
Die Veranstaltung dauerte von 18:00 Uhr bis 21:30 Uhr.
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